Original Prüfungsprotokolle zur
Mündlichen amtsärztlichen Überprüfung zum HP-Psychotherapie (HPG)

Als HP-Anwärter finden Sie hier die gesammelten Original Prüfungsprotokolle zur Mündlichen Amtsärztlichen Überprüfung zum HP-Psychotherapie (HPG) von Absolventen der Akademie für Ganzheitsmedizin Heidelberg.

Achtung! Die subjektiven Protokolle sind sehr private, ehrliche und teils emotionale Aufzeichnungen der Absolventen so wie diese sie aus ihrer Erinnerung des Prüfungsablaufs niedergeschrieben haben und nur für den Zweck bestimmt, HP-Anwärtern etwas die Angst zu nehmen. Wenn der Prüfungsablauf bekannt ist, und die Prüfungstaktik durchschaut und der rote Faden in den Prüfungen erkennbar wird, fällt die Prüfung leichter. Schon sehr vielen HP-Absolventen haben die Protokolle ihrer Vorgänger/Innen, die in den unterschiedlichsten Stilen geschrieben sind, sehr geholfen.

Die AfG HD möchte an dieser Stelle allen Beteiligten ganz herzlich danken.

Anwesende: Amtsärztin, Psychologin und eine Dame vom Heilpraktiker-Verband

Begrüßung, entspannte Atmosphäre

1. Frage: Was haben Sie bisher gemacht? Wo war Ihre Ausbildung?
Warum wollen Sie Heilpraktikerin für Psychotherapie werden?

2. Was sind die Erfordernisse /Grundlagen für Ihre Tätigkeit? ( HP- Gesetz ) Was dürfen Sie, was nicht? Das konnte ich sinngemäß aus dem Gesetzestext wiedergeben.

3. Von wem müssen Sie sich abgrenzen?
Ich nannte die Ärzte, Psychologen und dann war für die Psychologin noch wichtig: von den medizinischen Heilpraktikern.

Danach bekam ich eine Karte mit folgendem Fall
(Wiedergabe nach Gedächtnis)

Ein Mann, 40 Jahre, verheiratet, 2 Kinder
Hat seit etwa 1 Jahr Stechen und Schmerzen in der Brust. Er fühlt sich angespannt, und müde, schlapp. Nachts ist es am Schlimmsten, berichtet er. Seine Ehe ist gut, sagt er.
Auf Nachfragen berichtet er von Streitigkeiten mit der Ehefrau, nach denen sie sich zurückzieht und längere Zeit nicht mit ihm spricht.
Auf der Arbeit kann er sich oft nicht konzentrieren. Sonst läuft es aber einigermaßen. Ein guter Freund ist vor 2 Jahren an einem Herzinfarkt gestorben.

Dann bekam ich Zeit, um mir kurze Notizen zu machen und nachher habe ich meine Überlegungen und die Verdachtsdiagnose erläutert. Mit Differentialdiagnosen.
Ich habe nach Befunden körperlicher Art gefragt, das wurde verneint.

Meine Verdachtsdiagnose war klar: Herzangstneurose (Somatoforme autonome Schmerzstörung)
DD : Depression, Phobien, Angststörungen, Panikstörungen, PTBS , Hypochondrie

Dann Befragung aus verschiedenen Bereichen:
Was verstehen Sie unter einer Neurose?
Was wissen sie über Psychosen?
Was wissen Sie über die Depression? Was sind die Symptome?
Was macht die Verhaltenstherapie?
Was ist eine Persönlichkeitsstörung? Was können/dürfen Sie da tun?
Wie behandeln Sie einen Mann, der mit Sucht-Symptomen zu Ihnen kommt? Was ist zu beachten? Welche Art von Sucht? Delir ? Entzug?
Was ist Suizidalität? Frage nach Pöldinger/ Ringel. An wen wenden Sie sich? Freiheitsentzugsgesetz/ Hessen

Nachdem keine weiteren Fragen mehr gestellt wurden, wurde ich nach draußen geschickt
Und nach etwa 2 Minuten wieder hereingebeten.
Die Amtsärztin fragte mich, wie ich meine Prüfung fand (Eigene Einschätzung).
Ich sagte, dass ich viel gewusst habe und meine Diagnose stimmig und gut begründet fand.

Dann wurde mir gratuliert und mir bestätigt, ich sei keine Gefahr für die Bevölkerung.

Die Prüfung hat ca. 36 Minuten gedauert und verlief sehr positiv:
Kein Vorgeplänkel- Keine Fragen vorher
Alles wurde aufgezeichnet, wurde gefragt ob ich gesund bin und mit der Aufzeichnung einverstanden war.

3 Prüfer 1 Ärztin aus der psychiatrischen Klinik, 1 Psychotherapeutin, 1 HPP
alle drei sehr positiv, wertschätzend und freundlich.

Fall 1
weiblich 59 erstmalig bei mir, aufgeregt, läuft im Zimmer dauernd hin und her.
ganz schlecht kann sie reden
vor ein paar Tagen unerwartet KM getroffen, mit welcher sie seit über 20 Jh kein Kontakt mehr hatte ,
seit 3.4 Tagen Herzklopfen, Schweiss, Panikartig zustände kann nichts essen,
kann nicht arbeiten

So jetzt zeigen Sie mal auf, wie sie mit der Frau arbeiten etc. was hat sie, wie helfen sie

Nach
Anamnese, Lebensgeschichte wichtig in KA
Symptom
Syndrom
Verda Diag
Diagnose
immer wieder zwischendurch weitere Fragen an die Prüfer gestellt und noch wenige Informationen erhalten
Alleinerziehend, 1 Sohn, Pfarrsekretärin, kann mit niemand sprechen, wichtig auch an die AU denken, diese Dame hat sich noch nicht im Geschäft abgemeldet, da alleine und Arbeit existenziell habe ich das auch so gesagt und Patientin in meiner angebl Praxis angeboten ob sie in meinem Beisein im Geschäft anrufen will oder ob ich sie entschuldigen soll und wegen AU auch gleich Termin bei Hausarzt ausmachen.  Abnicken aller Damen

keine Konzentration
nichts essen
kein Schlaf
keine Medis
keine organische Sachen
keine aktuelle Behandlung
Filme laufen ab
Elternbeziehung/ Kindheit -> mit 15 weg, Heim, 3 x verheiratet, 3 x geschieden
WVV Cluster der PTBS, Dissoziatives Syndrom abgefragt
-> PTBS
Behandlung/ Therapie
Medis ?
Psychotherapie
Traumatherapie
VT …..
EMDR,
Selbsthilfegruppen,
Stationär…

hier wichtig Sorgfaltspflicht habe ich Traumaausbildung oder Abgabe
Was tun wenn kein Platz bis dahin arbeite ich mit ihr ichstärkend, ressourcenorientierend; sinngebend auch Sohn mit einbauen, Psychoedukation Schlafhygiene, Notfallplan Ansprechpartner, Krisenintervention (ich hab eine Ausbildung in Hypnose, Hypnorem EMDR ; weitere Therapiemöglichkeiten etc.)
Suizid natürlich ausschliessen, also das klassische Vorgehen

Würden Sie der Patientin, die niemand hat dem sie sich anvertrauen kann;
hier war meine Antwort, dass diese Frage immer zu Diskussionen führt, da auf der einen Seite auch das Therapeutische Selbstmanagement ( eigene Kraft, Ruhe, Entspannung, ) wichtig ist, i.d.F . ich aber die Ausnahme mache, wenn jemand so wie diese Patientin keine Ansprechpartner hat, dem sie sich anvertrauen kann. Abnicken aller Damen

Lob der Damen

Fall 2
Junge Frau 20
Studentin ganz verzweifelt , seit mehreren Wochen immer schlechter
keine Konzentration
kein Schlaf- nicht einschlafen, schreckt dann irgendwann hoch
angespannt
schlimmster Zustand
Ängste
Körper schwitzen, Herzklopfen
Notarzt war schon mal zuhause
Hausarzt 1 Woche AU
Wochenende war so schlimm, wenn Partner nicht dagewesen wäre….

wieder den Roten Faden Anamnese Symptom, Syndrom Ver Diag, Diag…Fragen zu allem Lebensgeschichte hier noch Zusatz
als Studentin vor kurzem von daheim weggezogen, eng an Familie gebunden, kurz vorher KV gestorben
hier nach Nachfragen keine Zeitdimension erhalten habe aber Trauerphasen, Verarbeitung etc. mit einfliessen lassen

kein körperlicher Befund
vermeidet viele Dinge zu tun

Diagnose: ängstlich vermeidende Züge, Anpassungstörung , Agoraphobie, Sozialphobie, alles ausgeschlossen: -> anlasslose Ängste mit Panikstörung

Therapieformen
Hypnose  Entspannungsverfahren, Problemlösetraining, SKT, Selbstkonzept …
Psychoedukation
Dialog mit der Angst, Infos über  Teufelskreis der Angst etc.
Soforthilfe zum runterkommen PMR – fanden sie toll, haben sich die Anfänge zeigen lassen Faust, Unterarm, Gesicht

Fall:
Eine junge Chemielaborantin kommt zu mir in die Praxis. Sie ist schon einige Monate krankgeschrieben. Alles ist ihr zu stressig. Sie kann sich nicht mehr gut konzentrieren. Die Anforderungen an sie sind gestiegen. Sie leidet unter Konflikten mit anderen und kann auch nicht mehr schlafen. Zur Arbeit schafft sie es einfach nicht mehr. Im Haushalt macht sie nur mehr das Nötigste. Sie hält sich fast nur noch zu Hause auf. Der Hausarzt schickt sie zu mir.

Auf Nachfrage von mir nach einem Auslöser für die Symptomatik:
Vor einem Jahr gab es einen Chefwechsel. Der neue Chef hat die Abteilung umstrukturiert. Seitdem muss sie viel mehr arbeiten. Es ist ihr zu viel. Sie hat das Gefühl, die Einzige zu sein, die die Arbeit nicht schafft. Die anderen denken bestimmt von ihr, dass sie viel zu lange brauche und unfähig sei. Sie hat Panik: Wie soll das bloß weitergehen? Grundsätzlich fühlt sie sich sehr angespannt und unruhig. Es gibt aber auch noch Ablenkung, bei der sie etwas entspannen kann.

Wichtig war den 3 Prüferinnen (Amtsärztin, Dipl.-Psychologin, HPP):

  • Vollständige Anamnese:
    insbes. Einholung körperlicher Befund;
    Abklärung, ob Gefahr von Suizid, Sucht, psychotische Symptome;
    Nachfrage zu Symptomen einer Angststörung (s.o. „Panik“)
  • Differentialdiagnostische Abgrenzung insbes.:
    Anpassungsstörung – reaktive Depression (alle Kriterien nach ICD 10 + Schweregrad der Depression)
  • Einschaltung Psychiater für medikamentöse Einstellung
  • Mein Therapiekonzept im Detail
  • Vorgehensweise bei akuter Suizidalität

Anreise und Umgebung:

Anreise einen Tag vorher, um frühen Anreisestress aus Heidelberg zu vermeiden, da ich auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen bin. Unterkunft im Hotel ‚Am Gotteshauer Schloss‘, empfehlenswert weil solide ausgestattet, mit Balkon, ruhige Umgebung (mit offenem Fenster geschlafen) und gutes Frühstück in familiärer Atmosphäre! Beste Lage, weil nur zwei Gehminuten vom Gesundheitsamt entfernt, das inmitten eines Komplexes liegt. Am Tag vorher daher etwas die Lage ausgekundschaftet.
Im Zimmer: Kühlschrank kann man nachts ausschalten, um unnötige oder nervige Geräusche zu vermeiden. Geräumiges Doppelzimmer als Einzelzimmer. Etwas TV geschaut (Doku über die Inkas), um besser abschalten zu können vor dem Schlafengehen. Von den vielen und lauten Vögeln um circa fünf Uhr morgens geweckt worden, Fenster zugemacht, nochmal weitergeschlafen. Gepäck kann an der Rezeption verstaut werden (je nach Rezeptionszeiten, einfach vorher nachfragen).

Gesundheitsamt und Prüfung:

Das Gesundheitsamt ist großzügig gestaltet und relativ modern und ansprechend. Ich fühle mich jedenfalls wohl. Anmeldung im Eingangsbereich mit Einladungsschreiben und Personalausweis. Ich war, wenn ich es richtig verstanden habe, einer von vier Prüflingen an diesem Morgen. Termin war um 11:00 Uhr aber ich musste fast 20 min warten im Eingangsbereich, was mir aber nichts ausmachte. Wer damit rechnet immer pünktlich dranzukommen, sollte sich auf mögliche Wartezeiten einstellen. Becher für den Wasserspender (sehr gutes, erfrischendes stilles Wasser!) können am Empfang erhalten werden. Dann erschien eine freundliche Prüferin, die sich erst einmal für die lange Wartezeit entschuldigt und führt mich zu den Räumlichkeiten.
Drei Prüferinnen begrüßen mich freundlich mit Händeschütteln, stellen sich kurz vor, zwei Prüferinnen stellen die Fragen, eine protokolliert. Ich lege meine Jacke ab und halte einen Stift und Block bereit. Man wird gefragt ob man damit einverstanden ist, dass nichts auf Band mitgeschnitten wird, diese Möglichkeit gibt es wohl aber die Aufnahmen seine meistens schlecht. Ich habe natürlich nichts dagegen.

Übersicht und eigene Vorstellung

Die Prüferin erklärt zur Übersicht was auf mich zukommen wird: Ich werde eine Fallgeschichte bekommen, dann möchten sie hören, was ich dazu zu sagen habe, welche Diagnose ich stellen würde und es sei ihnen wichtig, dann zu fragen, was ich konkret als Therapie in den ersten fünf, sechs Sitzungen mit der Klientin machen würde. Dann würden sie mir evtl. noch Fragen aus anderen Bereichen stellen. Ich bin etwas beeindruckt, weil ich, obwohl es im Vorbereitungskurs nochmal explizit gesagt wurde, nicht damit gerechnet habe, dass es so praxisnah sein wird. Verunsichert bin ich aber nicht, weil ich weiß, dass ich gut vorbereitet bin und mein Ziel ist es, dass ich auf jede Frage antworten kann und mich nicht verunsichern lasse. Ohnehin mein größter Vorteil die ganze Prüfung über, meine Grundruhe.
Zunächst soll ich aber doch mal sagen, was ich bisher so gemacht habe ‚sie wollen wissen, wie ich hier gelandet bin?‘ beginne ich etwas humorvoll und alle drei müssen gleich lachen, ich merke, dass sie mir wohlgesonnen sind und erzähle dann gar nicht mal so viel. Obwohl ich das mir oft vorher vorgestellt hatte, was ich da sagen werde, und es eher holprig klang in der Übung, fühlt es sich viel lockerer und offener an, das gibt mir von Beginn an ein gutes Gefühl. Ich merke, da sitzen freundliche und scharfsinnige Menschen am Tisch, die sich einfach dafür interessieren, was ich gemacht habe bisher und mich überprüfen. Ich sage gar nicht so viel, nur dass ich das Staatsexamen abgeschlossen habe in Geschichte, Geografie und Politik in Tübingen und Heidelberg, dass ich an der Schule aber nicht glücklich geworden bin.
Nicht zuletzt deshalb weil als auslösender Faktor eine eigene Krise Mitte 20, die Auseinandersetzung mit ihr und ihre Überwindung mich immer mehr in die psychologische Richtung gezogen haben, dass äußere und innere Faktoren schließlich zusammenkamen, dass ich mich bei der Akademie für Ganzheitsmedizin in Heidelberg angemeldet habe, weil die Schule Wert auf einen hohen Praxis- und Selbsterfahrungsanteil, ‚ich glaube es war weit mehr als die Hälfe meiner besuchten Stunden dreimal unter der Woche‘ legt und ich mich dann dort bestätigt gefühlt habe, dass ich im therapeutischen-psychologischen Bereich richtig bin und dass wir dort sehr viele Therapieverfahren kennen gelernt haben (‚großen, breiten Überblick‘).
Dass ich inzwischen in der Tourismuswirtschaft arbeite, erwähne ich gar nicht. Ich erwähne dann nur kurz dass ich erste Ausbildungen in Hypnotherapie gemacht habe und eine Ausbildung an der Paracelsus Schule in Würzburg zur Klientenzentrierten Gesprächstherapie nach Rogers. Hier versagt mir etwas meine Stimme. Meine Befürchtung war vorher etwas, dass ich mir so vorkam, als hätte ich zu wenig an Therapieverfahren gemacht, diese Sorge ist total unbegründet, denn es wurde an dieser Stelle nicht nachgefragt zu den einzelnen Verfahren oder wie viel ich da genau gemacht hätte usw.
Es wird kurz nachgefragt, was ich machen möchte und ich sage nur kurz, dass ich in eigener Praxis therapeutisch tätig sein möchte und bereits Räumlichkeiten angemietet habe mit einer Kollegin, dass ich ‚eigentlich nur auf das grüne Licht von ihnen warte‘. Die Nachfrage auf eine Gemeinschaftspraxis verneine ich aber und sage, dass wir aus unterschiedlichen Richtungen kommen, uns nur die Räumlichkeiten teilen.

Fallgeschichte

Dann wird mir auch schon die Fallgeschichte vorgelesen. Eine 46 jährige Lehrerin ist seit einem Jahr erschöpft, hat Schlaf- und Appetitstörungen, war beim Arzt und der hat sie in eine psychosomatische Klinik überwiesen, dort ging es ihr nicht wirklich besser, sie will es jetzt nochmal mit einer Psychotherapie versuchen und kommt zu mir.
Ich möchte gleich drauf los diagnostizieren aber die Prüferin sagt, na jetzt fragen sie mich doch erst einmal was. Erst jetzt wird mir klar, dass die Fallgeschichte in meinem Fall wirklich ein Rollenspiel wird und eine Prüferin die Rolle der Klientin einnimmt. Ich erörterte dann die Störung des Antriebs, die somatischen Beschwerden, Fragen nach suizidalen Gedanken, nach einer möglichen Intoxikation (hier wird es lustig, weil ich viel zu theoretisch und umständlich nachfrage und die Prüferin sagt, sie wollen also wissen ob ich Hasch geraucht habe? und wir müssen alle lachen), ob sie beim Hausarzt Schilddrüse und alles Neurologische hat abklären lassen, erst später im Gespräch fällt mir noch ein, dass die Frage danach, ob sie Medikamente in der Klinik bekommen hat sehr relevant ist und ich kann es zum Glück noch an geeigneter Stelle anbringen. Immer wieder fallen mir Sachen ein, die wirklich wichtig sind nachzufragen, das merke ich am zustimmenden Nicken der Prüferinnen und ich merke einfach, dass ich mich, was die Theorie angeht sehr gut vorbereitet habe. Der Fall ist dankbar weil relativ eindeutig eine Depression, ich tendiere zu mittelgradig, das wird erst einmal so stehen gelassen.
Die Prüferinnen merken, dass ich theoretisch und diagnostisch alles Wichtige drauf habe und sie da auf keine Schwachstelle stoßen, sie wollen jetzt aber viel mehr konkret hören, wie ich mit der Klientin umgehe, was passiert konkret in den ersten Sitzungen usw. Ich komme gleich mit Beck und kognitiver Umstrukturierung, werde aber erst einmal wieder gefragt, ob das wirklich gleich das erste wäre, was ich machen würde. Natürlich wollen sie mehr auf eine allgemeinere Anamnese und Ressourcenarbeit heraus. Ich begreife, dass sie hören wollen, wie ich mit der Frau umgehe, Vertrauen aufbauen, was ist mit ihren Hobbys, wie sieht ihr Tagesablauf aus? Nimmt sie noch Diazepam, warum das keine so gute Idee ist; ich werfe immer wieder ein, dass ich der Klientin ihre Angst vor Antidepressiva nehmen könnte und sie möglicherweise eine Zeit lang eine gute Idee wären, weil ab einer gewissen Schwere der Depression Antidepressiva wirklich helfen und angezeigt sind usw. Was macht sie, um wieder besser drauf zu sein usw. Dann begreife ich auch, dass sie darauf hinauswollen, dass eine Rückkehr an die Schule in diesem Beispiel wohl nicht das Beste wäre. Auch das erahne ich dann richtigerweise. Es geht also etwas hin und her mit möglichen Ansätzen, wie man der Frau helfen könnte, was sie vermutlich bräuchte, wir bewegten uns im Ressourcenorientierten und Gesprächstherapeutischen, Beck wollten sie gar nicht weiter nachbohren. Dann war es ihnen noch wichtig zu erwähnen, dass ich ja oft schon mit eigenen Vorschlägen daherkomme aber wer denn eigentlich das Therapieziel bestimmt. Das macht die Klientin natürlich selbst!

Andere Fragen

Ausgehend von der Fallgeschichte, die Frau war im Beispiel nicht suizidal gefährdet, wurde dann noch nachgehakt von der anderen Prüferin, was ich denn machen würde, wenn sie mir berichtet, sie liefe manchmal über eine Brücke und habe schon darüber nachgedacht, dass sie mal springen könnte. Ich will mit Pöldinger, Ringel anfangen, was sicher nicht verkehrt ist, aber wieder reißt sie mich aus dem Theoriekontext in die praktische Umsetzung. Ich muss natürlich dann genau eruieren, wie ernst das ist, im Endeffekt will die Prüferin auf den Nichtsuizid-Vertrag hinaus, den ich mit der Klientin schließen kann, denn es ist nicht so schlimm, dass eine Einweisung nötig ist; auch das fällt mir ein und ich kann es richtig anbringen. Sie möchte dann detailliert wissen, wie so ein solcher Vertrag aussehen könnte, ich sage dann dass ich in der Zeit bis zur nächsten Sitzung der Klientin die Nummer der Telefonseelsorge mitgebe, im Falle, dass es zu einer Krisensituation bei ihr kommt.

Ende

Das war es dann auch schon, nach 45 min war ich entlassen und die Beratung dauerte doch ein paar Minuten, ich kam nicht ins Zweifeln aber war schon etwas überrascht.
Dann wurde ich gefragt, wie ich die Prüfung fand und ich meinte, ich sei froh um die Erfahrung erst einmal und dass ich zufrieden sei, auf alle Fragen immer etwas gewusst zu haben, dass ich aber nicht überblicke, was ich evtl. vergessen habe, was den Prüferinnen noch wichtig gewesen wäre.
Zu meiner Erleichterung wird mir erst einmal mitgeteilt, dass ich bestanden habe. Dann gehen sie aber auf Mängel in der Praxis ein und ermuntern mich mit Supervision noch viel direkter und offener am Klienten zu arbeiten, weil meine Herangehensweise sehr theoretischer Natur war und wenig praxisgeübt (wie könnte es auch anders sein, da ich ja tatsächlich Neuland betrete).
Ich bedanke mich und bin froh und erleichtert alles gut überstanden zu haben, auch wenn es noch eine Weile dauern wird, bis ich mich richtig freuen kann und realisiert habe, dass ich bestanden habe. Ob ich Anmerkungen hätte, sagte ich nur, dass ich etwas überrascht gewesen sei, dass so wenig Störungsbilder oder andere Bereiche eine Rolle spielten, mir wurde gesagt, dass es darum bereits ja in der schriftlichen Prüfung ging.

Fazit

Ich habe mir fast ein wenig selbst ein Bein gestellt, weil ich in der Vorbereitung auf die mündliche Prüfung zu sehr mein Augenmerk immer noch auf das ‚theoretische‘ Wissen gerichtet hatte und letztlich doch zu wenig ‚echte Praxisgespräche‘ simuliert hatte, obwohl im Vorbereitungskurs darauf mehrmals hingewiesen wurde.
Psychiatrische Vorgeschichte, Anamnese und Diagnose hatte ich zwar drauf, aber hätte ich mir im Vorfeld einfach Fragen überlegt, die ich immer stellen kann, unabhängig von der Fallgeschichte, wäre ich persönlich zufriedener aus der Prüfung herausgelaufen. Ich merkte schon, dass die Fragestellung der Prüferinnen mir da entgegenkam und mir oft spontan Sachen einfielen, die ich an richtiger Stelle anbringen konnte. Wer aber nicht so sehr Lust hat, sich auf sein ‚Ad-hoc-Gehirn‘ zu verlassen, der kann sich im Vorfeld sicher besser auf die praktische Herangehensweise in einer Therapiesitzung vorbereiten.
Dass ich trotz eines gewissen falschen Schwerpunktes trotzdem bestanden habe, zeigt mir aber auch, dass man sich schon darauf verlassen kann, dass einem an der richtigen Stelle, die richtigen Dinge einfallen, wenn man ein großes Überblickswissen hat. Davon auszugehen, dass die Prüfungssituation also zu einem Rollenspiel wird oder werden könnte, mit ganz konkreten Fragestellungen, die richtig sitzen müssen, ist also sicherlich nicht verkehrt.

Ich kann nur für meine Erfahrung sprechen, aber ich empfand das Fallbeispiel zusammen mit den weiteren Fragen zur praktischen Herangehensweise als sehr fair, die Prüferinnen waren mir alle drei grundsympathisch und ich denke, man kann sich auf eine wohlgesonnene Art und Weise im Gesundheitsamt Karlsruhe auf jeden Fall verlassen. Dass weder rechtliche Fragen noch Fragen zu meinen Therapieverfahren noch Fragen zu irgendwelchen anderen Störungsbereichen gestellt wurden, empfand ich eher als überraschend, aber im Kern ging es, zumindest bei mir, konsequent um die praktische Umsetzung neben dem Fallbeispiel und das ist ja auch die konsequente Umsetzung der Ansprüche an eine mündliche Prüfung. Bei anderen Prüferinnen oder Prüfern mag das anders sein. Im Fallbeispiel steckten Depression, Abgrenzung zur Anpassungsstörung, somatisches Syndrom, Antidepressiva und deren Ablehnung, Einnahme von Benzodiazepinen (Diazepam) – also schon etwas.

Aber wenn ich mir überlege, wie viel ich F0-F9 rauf und herunter gelernt habe ;)